In Hamburg waren mehrere Menschen aus Somalia der Piraterie angeklagt, der Prozess dauerte über 100 Prozesstage und endete mit harschen Urteilen. Gleichzeitig hat das Politische und Sicherheitspolitische Komitee (PSK) der EU beschlossen, dass Truppen der Europäischen Union Seeräuber künftig auch an Land verfolgen können. Im Hamburger Hafen finden Demonstrationen statt, die „Freiheit für die Beschuldigten im Hamburger Piratenprozess“ fordern und Piraterie in den Kontext sozialen Widerstands stellen, während Piraterie in den Medien vermehrt mit Terrorismus in Verbindung gebracht wird, pointiert etwa durch die New York Times: „The solution to pirates ruling the high seas is in the very nature of piracy itself — it’s terrorism and should be treated as such.1
In dem Workshop werden wir uns mit dem Prozess in Hamburg auseinandersetzen. Theoretische Grundlage wird die Kritik der politischen Ökonomie sein: Ausgehend von einem marxistischen Staatsverständnis werden wir dessen Ausarbeitung durch den italienischen Theoretiker Antonio Gramsci in der gebotenen Kürze kennenlernen. Gramscis Konzept des integralen Staats wird oft mit der Kurzformel „Hegemonie gepanzert mit Zwang“ umrissen. Im Mittelpunkt des Workshops wird dabei die Herstellung von Hegemonie – und die Rolle des Rechts dabei – stehen: Wie und durch wen wird die Piraterie thematisiert, wie und durch wen kann sie thematisiert werden? Wie wirkt das Recht dabei?
Und welche Rolle spielt die Kriminalisierung der Piraten – nicht zuletzt durch das Hamburger Landgericht – bei der Herstellung von
gesellschaftlicher Hegemonie?

Moritz Assall ist Jurist und Kriminalsoziologe und verdient sein Geld als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft.

Workshopphase II – Samstag, 15-18 Uhr

  1. nytimes.com/2008/12/05/opinion/05burges… (Stand 10.4.2012). [zurück]